"Handy am Steuer? Nein, das war 'ne Bürste!"

Niemand begeht gerne eine Straftat. Oder zumindest wird niemand gerne dabei erwischt.

Doch manchmal lernt man erst, dass die Herdplatte heiß ist, wenn man sie selbst einmal angefasst hat. Und um die Verbrennung vielleicht doch noch verhindert zu können, hält man die Hand, so schnell wie nur möglich, unter kühlendes Wasser.

Genau das dachte sich wohl auch unser Busfahrer im vorliegenden Fall. Die Polizei schoss während einer Verkehrskontrolle von unserem Busfahrt ein paar Schnappschüsse, die ihn mit einem weißen, rechteckigen Gegenstand, den er mit der rechten Hand an sein rechtes Ohr drückte, zeigten.

Dass dabei nun die Vermutung aufkommt, unser Busfahrer habe während der Fahrt telefoniert, liegt daher fast schon auf der Zunge.

Noch einmal zur Erinnerung: Nach § 23 Abs. 1a S. 1 StVO ist das Telefonieren mit einem Handy am Ohr untersagt. Ein Verstoß hiergegen stellt eine Ordnungswidrigkeit nach § 49 Abs. 1 Nr. 22 StVO dar und kann nach § 24 Abs. 2 StVG mit einer Geldbuße bis zu 2.000 Euro gehandet werden.

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"Handy? Nein, das war `ne Bürste!"

Vor dem AG Frankfurt am Main* versuchte unser Busfahrer nun so schnell wie möglich seine Hand unter laufendes Wasser zu halten, indem er klar stellte, dass es sich bei dem auf den Bildern zu sehenden Gegenstand keinesfalls um ein Handy, sondern um eine Bürste handeln würde – Ja, eine Bürste für seinen Bart, den er sich während der Fahrt angeblich kämmte.

Und da soll den Männer noch einmal nachgesagt werden, sie würden nicht auf ihr Äußerliches achten!

Dass der von unserem Busfahrer in der Hauptverhandlung vorgelegte Kamm allerdings eine geschwungene und an den Seiten abgerundete Form aufwies, schien ihn dabei scheinbar nicht zu stören.

Auch nicht, dass die Bildsequenz der Polizei zeigte, dass der scheinbare Kamm am Ohr unseres Busfahrers wie festgeklebt war und damit keine typischen Kammbewegung erkennen ließ, störte unseren Busfahrer scheinbar nicht.

Umso mehr störte sich aber das Gericht an diesen zwei Punkten und bewertet damit die Aussage unsere Busfahrers als bloße Schutzbehauptung.

Folglich setzte das Gericht gegen unseren Busfahrer wegen vorschriftswidrigem Benutzens eines Mobiltelefons eine Geldbuße i.H.v. 180 Euro nach §§ 23 Abs. 1a, 49 StVO, § 24 StVG fest.

Tja, da hat sich unser Busfahrer am Ende doch die Hand verbrannt.

*AG Frankfurt am Main, Urt. v. 25.01.2021 – Az. 971 Owi 363 Js 72112/19 – Zum Zeitpunkt dieses Beitrags noch nicht rechtskräftig

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